eigentlich ist es längst überfällig, dass ich mich auch einmal äußere zu dieser Geschichte um eine offensichtlich gefälschte Promotion. Immerhin bin ich selbst Doktorand, also auch Nachwuchswissenschaftler, und sehe mich in meiner täglichen Arbeit auch andauernd mit Texten, Quellen, Zitaten und so weiter konfrontiert.
Ehrlich gesagt bin ich froh, dass diese Sache zu einem Rücktritt geführt hat. Und zwar nicht, weil ein ansonsten kompetenter und beliebter Politiker aus der falschen Partei stammt. Sondern, weil zwei Dinge für mich ganz klar sind:
- Diese Promotion ist nicht voller "handwerklicher Fehler", wie sich der Exminister auszudrücken beliebte, sondern es war vorsätzlicher Betrug
- Die permanenten Versuche, das einfach unter den Teppich zu kehren, sind Vertuschung
Ich erkläre auch gerne, wie ich zu der Einschätzung komme. Nicht nur sind auf zwei Dritteln der Seiten Stellen gefunden worden, die eben nicht richtig oder garnicht gekennzeichnet wurden... es sind teilweise auch einzelne Worte (wohlgemerkt: Keine bedeutungstragenden, sondern Konjunktionen und ähnliches!) verändert worden.
So etwas "passiert" nicht, das sind Verschleierungstaktiken, damit es nicht so schnell auffällt. Und das auch noch dilettantisch gemacht.
Was mich mindestens genauso aufregt, ist der Umstand, dass diese "Promotion" garantiert nicht richtige geprüft worden ist. Da sitzt eine ganze Kommission von Leuten dran, ein Erstgutachter, ein Zweitgutachter, und niemand bemerkt, was schon in einer oberflächlichen Begutachtung auffällt.
Kann es sein, dass sich da die Universität mit einem schmucken Prominenten schmücken wollte, und man eben alles ein bisschen großzügiger betrachtet hat? Sicher, gewusst hat man an der Uni nichts. Das Risiko, sich bis auf die Knochen zu blamieren, und eine ganze Institution zu diskreditieren, ist einfach zu groß.
Aber wie gesagt: Sauber geprüft worden ist das nicht.
Eine Schande!
Wenn ich mir vorstelle, meinem Doktorvater nach einem solchen Vorfall noch einmal unter die Augen treten zu müssen, nach Jahren der Betreuung, nach Unterstützung im Bewerbungsverfahren um ein halbes Dutzend Stipendien, nach Hilfe bei der Jobsuche und Zusprache in Momenten der Unsicherheit... Diese Schande würde ich nicht ertragen.
Es gab eine Zeit, die nicht zwangsläufig besser war als heute (tendentiell vielleicht eher schlimmer), aber da hat man sich nach einem solchen Skandal noch nobel in einem Birkenhain die Kugel gegeben und so die Schande wenigstens von der Familie und den Institutionen getilgt. Und der Mann ist immerhin mit einer Bismarck verheiratet, da sollte sich doch das passende Duellmaterial noch irgendwo in der Mottenkiste finden lassen.
Heute tritt man zurück und hofft, dass einen ein Plebiszit und die Perspektivlosigkeit der eigenen Partei in punkto Personal wieder nach oben spüle. Quo vadis, alter Adel? Aber hey, ich kleiner Emporkömmling aus kleinbürgerlichen Verähltnissen, was verstehe ich schon von so erhabenen Dingen wie wissenschaftlicher Praxis oder den großen Rädern der Geschichte...
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