Sonntag, 27. März 2011

Die Zukunft hat begonnen...

Liebe Freunde,

es gibt großartige Neuigkeiten!

Gestern abend habe ich eine Mail von meinem Professor bekommen, der Schweizer Nationalfonds hat entschieden, mein Dissertationsvorhaben zu fördern!

Das sieht jetzt also so aus, dass mein Professor, der das Projekt eingereicht hat, nur noch die Mittelfreigabe beantragen muss und *schwupps* habe ich eine 50-prozentige Anstellung, finanziert durch die Projektmittel.

Diese Förderung ist drei Jahre lang gesichert, bei Bedarf und einer guten Begründung kann das sogar um weitere drei Jahre verlängert werden. Wobei ich natürlich hoffe, dass ich das nicht machen muss, man will ja auch irgendwann fertig werden.

Mit anderen Worten: Ich kann (wenn ich es tue!) wie geplant nach Japan gehen, dort neun Monate lang forschen, dann zurückkommen, finanziert über das Projekt, und hier meinen Doktor abschließen. Alles wie geplant, alles im perfekten Zeit-Modus.

Das ist alles, worauf ich gehofft hatte, und mehr, als ich zu träumen gewagt hätte...

Wo ist der Haken? Der Haken ist Fukushima:



Ok, das Video ist eine Weile alt. Aber wir alle wissen, was los ist. Zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit erleben wir live im Fernsehen, wie ein Atomkraftwerk explodiert.

Wie groß sind die Gefahren wirklich? Wie wird sich die Lage entwickeln?

Der Spiegel schreibt heute, dass die Situation sich wieder verkompliziert. Radioaktives Wasser steht in den Reaktoren, woher die Strahlung darin kommt (aus einem Leck im Abklingbecken oder womöglich dem beschädigten Containment des Reaktors) ist ungewiss.

Soweit ich das abschätzen kann, ist eines sicher: Wie genau sich diese Sache auf die Umwelt (d.h. vor allem das Trinkwasser und die Lebensmittel) auswirken wird, wird sich erst in den kommenden Monaten zeigen. Dann werden die Konzentrationen in Gemüse, Fisch, Fleisch, Milch und Wasser hoch genug sein, um sie zu messen. Dann wird genug radioaktives Material, das bisher ja höchstens abgeregnet ist, im Boden sein bzw. aufgenommen von den Pflanzen und Tieren. Und dann wird die Infrastruktur wieder soweit wiederhergestellt sein, dass flächendeckende Messungen prioritär durchgeführt werden können.

Mit anderen Worten: Ich werde erst annähernd wissen, was Sache ist, wenn ich dort bin. Und dann ist es eben auch zu spät.

Verzwickt. Ich möchte hier und heute keine endgültige Entscheidung treffen, werde aber morgen am frühen Abend alles mit meinem Professor besprechen und dann sehen wir weiter.

Bis dahin kann ich euch noch den Artikel von Daniela Tan aus der NZZ ans Herz legen. Sie promoviert gerade am Ostasiatischen Seminar, ist also quasi eine Kollegin von mir und kommt gerade von einem Forschungsaufenthalt in Osaka zurück. Die Lage ist komplex, aber nicht hoffnungslos.



Und damit wir nicht in eine zu grüblerische und vielleicht sogar depressive Stimmung abrutschen, möchte ich noch einen Eindruck mit euch teilen, der einfach nur wunderschön und entspannend ist:

Der Himmel über Oerlikon an einem wunderschönen Frühlingsabend.

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